Konflikt mit Führungskraft Tipps zum Umgang mit schwierigen Situationen

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Du hast einen spannenden und vielfältigen Job, deine Kolleg*innen sind die besten auf der Welt und dein Gehalt stimmt auch. Wäre da nicht der immer wiederkehrende Ärger mit dem Chef. Da macht dann auch die interessanteste Aufgabe irgendwann keinen Spaß mehr. Wenn der Konflikt mit deinem Chef dir regelmäßig den Tag vermiest und dir die Freude an deiner Arbeit nimmt, solltest du dringend etwas dagegen tun.

Eines vorweg: Konflikte mit unseren Mitmenschen sind ganz normal und nicht per se etwas Schlechtes. Ganz im Gegenteil: Häufig bergen sie für uns die Möglichkeit, an ihnen zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Dazu müssen wir aber versuchen, sie konstruktiv zu lösen. Und das am besten, bevor die Situation so richtig festgefahren ist und dir der Knatsch womöglich auch zuhause nach Feierabend noch nachhängt!

Stufe 1: Ansprechen, ansprechen, ansprechen

Ein häufig auftretendes Problem in Konfliktsituationen ist, dass wir davon ausgehen, dem anderen unser Problem bereits deutlich gemacht zu haben. Dadurch entsteht bei uns die Erwartungshaltung, dass dem anderen bestimmte Dinge klar sein müssen. Meist ist es aber so, dass zu unspezifisch und nicht mit ausreichend freundlichem (!) Nachdruck kommuniziert wird. Meine Erfahrung an dieser Stelle: Es hilft, Unstimmigkeiten immer wieder anzusprechen. Dadurch verleihst du ihnen das Gewicht, das ihnen gebührt, und dein Chef bekommt die Chance, dich besser zu verstehen und auf dich einzugehen.

Ich rate meinen Klient*innen dazu, wiederkehrende Probleme auch immer wieder anzusprechen – und das so zeitnah wie möglich. Wenn dein Chef also wieder mal etwas getan oder gesagt hat, dass dir auf der Seele brennt, dann vereinbare am besten direkt am nächsten Tag einen Termin mit ihm. Mein Tipp an dieser Stelle: Lass auf keinen Fall mehr als eine Woche ins Land ziehen, sonst ist der Zug abgefahren – und mit ihm die Möglichkeit, das Problem aus der Welt zu schaffen!

Ärger mit dem Chef? So sprichst du die Probleme richtig an

Sobald der Termin mit deinem Chef vereinbart ist, solltest du dich an die Vorbereitung des Gesprächs machen. Denn die ist das A und O, wenn du den Ärger mit dem Chef konstruktiv lösen möchtest. Die folgenden Tipps helfen dir, dein Anliegen so zu formulieren, dass du deinem Chef nicht zu nahe trittst und die Lösung so in weite Ferne rückt.

Tipp 1: Nutze die WWW-Methode

Gerade bei negativem Feedback ist es sehr wichtig, dass du deinem Chef mit Wertschätzung und Respekt begegnest und bei der Beschreibung des Problems ganz bei dir bleibst. Feedback kommt am besten an, wenn es konstruktiv ist und sich auf eine konkrete Situation bezieht. Lass deshalb unbedingt die Finger von Generalisierungen wie „das ist immer so“!

Orientiere dich bei deinem Feedback an den drei „W“ – Wahrnehmung, Wunsch und Wirkung – und sende Ich-Botschaften:

Wahrnehmung: Beschreibe die Situation aus deiner Sicht, also genau so, wie du sie wahrgenommen hast. Das ermöglicht deinem Chef zu verstehen, worum es geht und auf welchen Zeitpunkt du dich beziehst. Zum Beispiel: „Vorgestern im Teammeeting haben Sie mich auf einen Fehler in meinen Berechnungen aufmerksam gemacht.“

Wirkung: Erkläre deinem Chef in aller Ruhe, aber so präzise wie möglich, was sein Verhalten mit dir gemacht oder in dir ausgelöst hat. Zum Beispiel: „Ich habe mich vor den Kolleg*innen bloßgestellt gefühlt“.

Wunsch: Sage deinem Chef, was du dir in der Zukunft von ihm wünschst. Zum Beispiel: „Ich würde mir wünschen, dass sie mir ein solches Feedback unter vier Augen geben.“

Wenn du ganz bei dir bleibst, dann fällt es deinem Chef wahrscheinlich leichter, dein Feedback anzunehmen und darauf einzugehen. Die WWW-Methode ist erfolgversprechender, als mit der Tür ins Haus zu fallen und zu sagen: „Sie haben mich vor versammelter Mannschaft angegriffen!“ oder „So können Sie nicht mit mir reden!“. Durch Vorwürfe dieser Art könnte sich dein Chef direkt verärgert fühlen, und das ist natürlich kein guter Einstieg in ein Gespräch.

Wahrnehmung Wirkung Wunsch schwierige Themen ansprechen

Tipp 2: Formuliere Wünsche oder Bitten

Bleiben wir noch einen Moment bei den Wünschen. Wenn du einen Wunsch äußerst, kann dein Chef dir diesen erfüllen. Er muss es aber nicht. Der entscheidende Punkt heißt Freiwilligkeit. Wenn du deinem Gegenüber die Wahl lässt, fühlt dieser sich weniger schnell in die Ecke gedrängt und ist eher geneigt, dir deinen Wunsch auch zu erfüllen.

Neben Wünschen eignen sich auch Bitten sehr gut für Konfliktgespräche. Wenn du deine Bitte artikulierst, dann beachte folgende Punkte:

  1. Formuliere eine Bitte, die erfüllbar ist, und zwar am besten im Hier und Jetzt oder so zeitnah wie möglich.
  2. Beschreibe in deiner Bitte eine ganz konkrete Handlung. So weiß dein Chef, was du meinst und ihr vermeidet Missverständnisse.
  3. Formuliere die Bitte als Frage und ermögliche so Freiwilligkeit.

Zum Beispiel: „Wären Sie bereit, heute noch die Agenda für die Sitzung am Montag durchzusehen und mir zu sagen, ob ich noch Punkte ergänzen soll?“ Halte Augenkontakt, während du deine Bitte aussprichst, und warte die Antwort respektvoll ab.

Konkrete Formulierung zu Wünschen an Führungskraft

Tipp 3: Beachte die Feedback-Regeln

Wenn du den Termin mit deinem Chef vorbereitest, dann mache dir noch einmal die Feedback-Regeln bewusst, damit du sie im Gespräch auch einhalten kannst:

  1. Sprich ausschließlich von dir und wie du die Situation erlebt hast.
  2. Teile deinem Chef mit, wie du dich dabei gefühlt hast.
  3. Beziehe dich auf eine konkrete Situation und nenne Beispiele.
  4. Äußere Wünsche oder Bitten. Dein Chef darf diese auch ablehnen.
  5. Denke daran, dass dein Chef sich nicht rechtfertigen muss. Er darf sich aus deinem Feedback die Punkte heraussuchen, die ihn weiterbringen.

Rückmeldung an Führungskraft Empfehlungen für Formulierung

Tipp 4: Übe das Gespräch vorher

Such dir eine Person deines Vertrauens und besprich den Ärger mit dem Chef mit ihr. Und dann übe das Gespräch mit deinem Chef mindestens einmal mit dieser Vertrauensperson. Lass dir Feedback geben und werde so immer klarer und konkreter in dem, was du deinem Chef sagen möchtest. Du wirst auch sehen, dass es immer leichter wird, dein Anliegen zu formulieren, je öfter du es machst.

Stufe 2: Unterstützung suchen

Wenn du das Gefühl hast, dass sich deine Situation durch das Gespräch mit deinem Chef nicht verbessert hat oder der Konflikt sich sehr festgefahren anfühlt und viele Emotionen mitschwingen, dann kann ein neutraler Mediator helfen. Das muss jemand sein, der selbst keine Karten im Spiel hat und deshalb zwischen den Konfliktparteien vermitteln kann.

Ein Mediator schafft eine Atmosphäre, in der die Themen auf den Tisch kommen, man aber gleichzeitig dem jeweils anderen Verständnis entgegenbringt und gemeinsam eine Lösung anstrebt. Die Voraussetzung für eine Mediation ist, dass alle am Konflikt Beteiligten auch dazu bereit sind.

Stufe 3: Such dir einen anderen Chef

Wie in jedem Konflikt gilt auch bei Ärger mit dem Chef: Du kannst den anderen nicht ändern, du kannst immer nur vor deiner eigenen Haustür kehren. Wenn du mehrfach und mit freundlichem Nachdruck das Gespräch gesucht und dein Anliegen klar formuliert hast, sich an deiner Situation aber nichts ändert, dann musst du überlegen, wie du für dich aus der Sache herauskommst.

Eine Möglichkeit wäre, dir einen neuen Chef zu suchen. Damit meine ich übrigens nicht, dass du gleich kündigen sollst. Du kannst dich ja auch innerhalb deines Unternehmens nach einer neuen Aufgabe umsehen. Ich persönlich habe sogar ganz gerne alle drei bis fünf Jahre den Job gewechselt und mich über neue Chancen und Herausforderungen, Chefs und Kolleg*innen gefreut!

Wenn du deine persönlichen Schritte zur Konfliktlösung lieber in Begleitung erarbeiten möchtest, dann trage dich jetzt auf der Warteliste für mein Gruppencoaching zum Thema „Ärger mit dem Chef“ ein. Hier geht’s zur Warteliste

Literatur:

Jiranek, H. & Edmüller, A. (2021): Konfliktmanagement: Konflikte vorbeugen, sie erkennen und lösen. Haufe Fachbuch. Freiburg

https://shop.haufe.de/prod/konfliktmanagement-buch