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Unzufriedenheit loswerden, beispielsweise in Zusammenhang mit dem Job, erfordert nicht unbedingt bahnbrechende Veränderungen. Sprich: Sie müssen nicht gleich das Handtuch werfen und kündigen. Oft reicht es schon aus, die Unzufriedenheit zu erkennen und mit kleinen Handlungen bewusst gegenzusteuern. In diesem Blogbeitrag zeige ich Ihnen, welche drei Schritte notwendig sind, damit sich die Unzufriedenheit aus Ihrem Arbeitsleben verabschiedet.

Woran merken Sie, dass Sie unzufrieden sind?

Wenn Sie Ihre Unzufriedenheit loswerden wollen, müssen Sie sich zunächst eingestehen, dass sie unzufrieden sind. Was läuft nicht rund? In welchen Situationen spüren Sie Ihre Unzufriedenheit deutlich? Viele Menschen sind dauerhaft unzufrieden. Sie schaffen es aber nicht, etwas an ihrer Situation zu ändern, weil sie sich gar nicht bewusst machen, dass sie unzufrieden sind.

7 Merkmale um Unzufriedenheit zu erkennen

Wie entsteht Unzufriedenheit?

Natürlich sind die Gründe für Unzufriedenheit bei allen Menschen unterschiedlich. Wir sind schließlich Individuen. Trotzdem gibt es eine Reihe von Ursachen, die dazu führen, dass wir unzufrieden sind. Dazu zählen beispielweise:

  • Fehlende soziale Kontakte: Sie fühlen sich einsam.
  • Perfektionismus und hohe Erwartungen an sich selbst: Sie setzen sich schwer erreichbare Ziele und freuen sich nicht über das, was Sie schon geschafft haben.
  • Ziele, die nicht zu Ihnen passen: Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre eigenen Ziele verfolgen und nicht die Ziele von anderen. Überprüfen Sie außerdem von Zeit zu Zeit, ob Ihre Ziele noch mit Ihren Werten übereinstimmen.
  • Ihr Lebensmodell passt nicht (mehr) zu Ihrem Leben: Ihr Job, ihr Lebensstil oder ihr Freundeskreis passt nicht zu Ihren Werten und Stärken.
  • Geringer Selbstwert: Sie machen Ihren Wert an äußeren Dingen wie Erfolg im Job und nicht an sich als Person fest.
  • Angst vor einer Veränderung: Sie trauen sich nicht, etwas zu verändern, obwohl sie wissen, dass der Status Quo Ihnen nicht guttut.
  • Sie kleben an der Vergangenheit: Getreu nach dem Motto „Früher war alles besser!“ geben Sie der Gegenwart nicht die Chance, die sie verdient.

7 Möglichkeiten wie Unzufriedenheit im Arbeitsleben entsteht.

Drei Schritte, um Ihre Unzufriedenheit loszuwerden

So viel zur Theorie hinter der Unzufriedenheit. Jetzt ist es Zeit, ins Tun zu kommen! Das geht in drei einfachen Schritten:

Schritt 1: Analysieren Sie die Situation

Machen Sie sich bewusst, wie Ihre berufliche Situation gerade aussieht. Dazu ist es gut, zwei Listen zu machen. Auf der einen schreiben Sie alles auf, was gut läuft und was sie beibehalten wollen. Auf der anderen notieren Sie die Sachen, mit denen Sie unzufrieden sind und die Sie in der Zukunft ändern möchten. Danach unterscheiden Sie, welche Punkte wirklich wichtig und welche weniger wichtig sind.

Schritt 2: Entwerfen Sie einen Plan, um Ihre Unzufriedenheit loszuwerden

Überlegen Sie sich für jeden notierten wichtigen Punkt, was Sie tun können, um Ihre Unzufriedenheit diesbezüglich loszuwerden. Was genau möchten Sie ändern? Und was müssen Sie tun, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen? Versuchen Sie nicht, alle Punkte auf einmal anzugehen, sondern nehmen Sie sich die Dinge lieber einzeln und nacheinander vor. Wenn Sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen, dann entscheiden Sie sich für die Sache, die am leichtesten zu ändern ist oder wo die zu treffende Maßnahme für Sie leicht anzustoßen ist.

Schritt 3: Nehmen Sie sich Zeit für die Umsetzung

Die meisten Pläne scheitern daran, dass es uns nicht gelingt, sie umzusetzen. Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie regelmäßig daran arbeiten, Ihre Unzufriedenheit zu lösen. Nehmen Sie sich dafür täglich 15 Minuten Zeit. Am besten ist es, wenn Sie sich zu einer bestimmten Tageszeit mit der Umsetzung Ihres Planes beschäftigen – beispielsweise immer nach der Mittagspause. Oder Sie blocken sich einen festen Termin in Ihrem Kalender. So können Sie die Punkte nach und nach bearbeiten und geraten nicht ins Stocken.

3 Schritte um Unzufriedenheit loszuwerden.

 

Viel Erfolg bei der Umsetzung!

Literatur:

  • Mai, J. (2022): Unzufrieden? 7 Dinge, die Sie hinter sich lassen sollten. Karrierebibel, Zugriff 11.10.2022.
  • einfach ganz leben: Unzufrieden mit dem Leben? Gründe für chronische Unzufriedenheit, Zugriff 11.10.2022.
  • Wolf, D. (2020): Erste Hilfe Tipps. Unzufriedenheit mit sich und dem Leben, Zugriff 11.10.2022.

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Die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, ist sehr wichtig. Denn Konflikte gibt es überall dort, wo Menschen zusammentreffen. Das ist ganz normal und teilweise auch begrüßenswert: Ein Team, das in der Sache streitet, erbringt in der Regel bessere Leistungen. Außerdem tragen Konflikte zu unserer persönlichen Weiterentwicklung bei: Wir reifen an ihnen. Warum also scheuen die meisten Menschen sie? Die Antwort liegt auf der Hand: Konflikte fühlen sich nicht gut an.

Es kommt also auf die Handhabung an: Konflikte im Arbeits- und Privatleben richtig zu lösen, ist der Schlüssel zu positiven Beziehungen.

Doch was verstehen wir eigentlich unter Konflikten?

Definition Konflikt Lösung Kompromiss

Konflikte im Berufsleben

Im Berufsleben können uns verschiedene Formen von Konflikten begegnen:

Beziehungskonflikte

Manchmal stimmt die Chemie zwischen zwei Menschen einfach nicht. Wenn man einander nicht leiden kann, ist das zwischenmenschliche Verhältnis gestört. Das kann zu Konflikten führen. In manchen Fällen können negative Erlebnisse oder Vorurteile im Spiel gewesen sein. In anderen lässt sich kein rationaler Grund erkennen.

Kommunikationskonflikte

Sie entstehen aus Missverständnissen heraus – beispielsweise, wenn Sprache, Mimik und Gestik unterschiedliche Botschaften auszudrücken scheinen. Schaffen die beteiligten Personen es nicht, den Konflikt zu lösen, können ernsthafte Kommunikationsschwierigkeiten daraus erwachsen.

Verteilungskonflikte

Sie entstehen, wenn einzelne Mitarbeiter oder ganze Teams um knappe Ressourcen miteinander konkurrieren. Dabei kann es um Budgetzuteilungen oder Gehälter gehen. Aber auch um das Büro mit dem schönsten Ausblick oder der netten Sitzecke. Auch die Zuteilung von Aufgaben oder Verantwortlichkeiten kann zu Verteilungskonflikten führen.

Rollenkonflikte

Wenn die einzelnen Rollen im Team nicht klar definiert sind, drohen Missverständnisse. Teammitglieder haben bestimmte Erwartungen an ihre Kollegen. Entsprechen diese Erwartungen jedoch nicht dem Selbstbild der betreffenden Person, so werden sie höchstwahrscheinlich enttäuscht. Dadurch können Konflikte entstehen, die unbedingt gelöst werden sollten.

Sachkonflikte

Uneinigkeit über die Sache gehört zum Alltag im Berufsleben. Es gelingt einem Team nicht, sich auf ein gemeinsames Ziel zu einigen. Oder es gibt scheinbar unvereinbare Vorstellungen darüber, wie man vorgehen möchte.

Wertekonflikte

Sie können auftreten, wenn die Arbeitsauffassungen innerhalb eines Teams stark variieren. Oder aber, wenn die Mitarbeiter sich nicht einig sind, wie sie mit Fehlern umgehen sollen: zugeben oder unter den Teppich kehren?

Ungelöste Konflikte sind teuer

Konflikte können für Unternehmen schnell teuer werden. Kosten aufgrund ungelöster Konflikte entstehen durch

  • weniger motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter und dadurch schlechtere Arbeitsergebnisse,
  • höhere Fluktuation, die mit zusätzlichen Personalkosten einhergeht und
  • nicht abgeschlossene Geschäfte oder unzufriedene Kunden.

Diese Kosten von ungelösten Konflikten lassen sich nur schwer berechnen. Denn ein schlechtes Betriebsklima oder ein beschädigtes Image zieht viele weitere Probleme nach sich.

Die Stufen eines Konflikts

Beim Konflikte lösen geht es darum, alle Beteiligten gut einzubinden. Schließlich sollen am Ende alle gut mit der Lösung leben können. Dabei ist es wichtig, so früh wie möglich das Gespräch zu suchen. Andernfalls kann es passieren, dass sich der Konflikt verstärkt und gegebenenfalls nicht mehr gelöst werden kann. Je früher eine Führungskraft sich um die Lösung eines Konflikts bemüht, desto geringer ist der Schaden für das Unternehmen.

Friedrich Glasls neunstufiges Konfliktmodell zeigt anschaulich, welche Eigendynamik Konflikte entwickeln können, wenn sie nicht rechtzeitig gelöst werden:

Konfliktstufen nach Friedrich Glasl 9 Stufen

 

In der ersten Phase kommt es darauf an, ein Bewusstsein für den Konflikt zu schaffen. Die betroffenen Parteien sollten das Gespräch miteinander suchen und sich über Lösungsmöglichkeiten austauschen. In dieser Phase stehen die Chancen gut, den Konflikt so zu lösen, dass alle Beteiligten zufrieden sind (win-win).

In der zweiten Phase wird es schon schwieriger: Es geht nicht mehr nur um den strittigen Sachverhalt, sondern darum, den Konflikt für sich zu entscheiden. Für Menschen, denen es schwerfällt, kritische Dinge anzusprechen, ist diese Stufe eine echte Herausforderung. Deshalb ist es häufig sinnvoll, sich externe Unterstützung in Form eines Coaches oder Mediators zu holen. In dieser Phase besteht die akute Gefahr, dass eine der Konfliktparteien als Verlierer hervorgeht (win-lose).

In der dritten Phase ist es sehr schwer, den Konflikt zu lösen: Die Fronten sind derart verhärtet, dass es nur noch darum geht, der anderen Partei zu schaden. Dabei nimmt man den eigenen Untergang und den des Unternehmens in Kauf (lose-lose). Hier sieht die Lösung des Konflikts meistens vor, dass die Parteien zukünftig getrennte Wege gehen.

Konflikte im Unternehmen lösen

Eine wichtige Frage im Zusammenhang mit dem Lösen von Konflikten am Arbeitsplatz ist die nach dem Umgang mit ihnen: Was für eine Streitkultur herrscht in der Organisation? Ist es in Ordnung, Probleme offen anzusprechen? Wird das vielleicht sogar gezielt gefördert? Oder ist man gut darin beraten, den Mund zu halten?

Das betriebliche Konfliktmanagement umfasst alle Maßnahmen, die ein Unternehmen trifft, um Konflikte zu lösen oder zu vermeiden.

Vorbeugung von Konflikten am Arbeitsplatz

 

Wer nicht unmittelbar betroffen ist, wird den Konflikt unter Umständen gar nicht wahrnehmen. Gerade für Führungskräfte ist es deshalb wichtig, die Anzeichen zu erkennen, um den Konflikt lösen zu können.

Anzeichen für Konflikte am Arbeitsplatz

Konflikte erkennen am Arbeitsplatz Überblick

 

Konflikte richtig lösen

Ist ein Konflikt erkannt, hilft alles nichts: Ein klärendes Gespräch mit den Beteiligten muss her. Dabei ist es wichtig, dass die betroffenen Personen grundsätzlich bereit sind, nach einer Lösung für den Konflikt zu suchen und gegebenenfalls einen Kompromiss einzugehen.

Für das klärende Gespräch kann man sich an einem der zahlreichen Modelle des Konfliktmanagements orientieren. Dazu eignet sich beispielsweise das KULT-Modell:

K = Klärung: In dieser Phase des Gesprächs findet eine Analyse statt. Worum geht es in dem Konflikt? Wer ist daran beteiligt? Welche unterschiedlichen Positionen gibt es?

U = Ursachen: Im nächsten Schritt geht es darum, der Ursache des Konflikts auf den Grund zu gehen. Die Konfliktparteien sollen sich ja nicht nur mit den Symptomen des Konflikts auseinandersetzen, sondern die eigentliche Ursache aus der Welt schaffen.

L = Lösung des Konflikts: Ist die Ursache klar, sammeln die Beteiligten Ideen zur Lösung des Konflikts und bewerten diese. Was wäre die beste Lösung für alle Seiten? Wer könnte vielleicht einen Kompromiss eingehen? Ist die Einigung erfolgt, so werden die nächsten Schritte und die Verantwortlichkeiten festgelegt.

T = Transfer: Der Konflikt ist erst dann vollständig gelöst, wenn die Konfliktparteien die getroffene Vereinbarung vollständig umgesetzt, sie also in den Arbeitsalltag transferiert haben.

Wenn sie konstruktiv geklärt werden und die Lösung für die Konfliktparteien akzeptabel ist, können sich Konflikte positiv auf die Zusammenarbeit und den Erfolg des Unternehmens auswirken. Sie zeigen, an welchen Stellen Veränderungen notwendig sind und können zu kreativen Lösungsansätzen führen, auf die das Team ohne den Konflikt vielleicht nicht gekommen wäre. Außerdem kann sich die Zusammenarbeit innerhalb des Teams nach der Lösung des Konflikts verbessern.

Literatur:

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Optimismus ist eine Lebenseinstellung, bei der wir eine Sache oder die Welt im Allgemeinen von ihrer besten Seite betrachten. Menschen, die optimistisch denken, sind voller Hoffnung und Zuversicht und blicken positiv in die Zukunft.

Jeder kann lernen, optimistisch zu denken. Natürlich braucht das – wie jede Veränderung – Zeit und Übung. Aber es ist möglich.

Die wohl bekannteste und wirksamste Übung für optimistisches Denken ist das „Best Possible Self“ – das positive Selbstbild. Dabei stellen Sie sich vor, wie Ihr Leben in der Zukunft aussieht und was Sie als Person ausmacht. Das kann in fünf, zehn oder 20 Jahren sein. Oder auch in einem. Wichtig ist, dass zwischen der Vorstellung und der Gegenwart so viel Zeit liegt, dass Sie Ihre Ziele und Wünsche in diesem Zeitraum auch erreichen können.

Positives Selbstbild beim optimistischen denken

So werden Sie optimistischer

So führen Sie die Übung durch: Stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt, wenn Sie alles, was Sie sich vorgenommen, erreicht oder bekommen haben. Alles ist so gut gelaufen, wie es nur konnte. All Ihre Lebensträumesind in Erfüllung gegangen! Und auf dem Weg dorthin haben Sie Ihre Stärken erfolgreich eingesetzt. Versetzen Sie sich in diese zukünftige Situation. Wie fühlt sich das an?

Schnappen Sie sich jetzt Zettel und Stift und schreiben für 15 bis 20 Minuten in der Ich-Form alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt.

Fragen auf einem Zettel zum Positiven Selbstbild

Schreiben Sie kontinuierlich, ohne den Stift abzusetzen. Denken Sie nicht zu viel nach, sondern schreiben Sie aus dem Bauch heraus. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen nichts mehr einfällt, dann schreiben Sie trotzdem weiter und seien gespannt, was dabei herauskommt.

Nehmen Sie sich zum Schluss der Übung einen Augenblick Zeit, um Veränderungen in Ihrem Befindenwahrzunehmen. Wie geht es Ihnen jetzt, nachdem Sie sich so intensiv mit Ihrem positiven Selbstbild beschäftigt haben? Legen Sie den Text anschließend beiseite und schauen Sie ihn sich erst wieder an, wenn Sie die Übung abgeschlossen haben.

Diese Übung ist nämlich dann am erfolgreichsten, wenn Sie sie an vier aufeinanderfolgenden Tagen wiederholen. Wenn Sie möchten, können Sie sich jeden Tag mit einem anderen Lebensbereich beschäftigen. Falls Sie es mal einen Tag nicht schaffen, ist das nicht schlimm. Achten Sie aber darauf, dass die Abstände nicht zu groß werden, da sonst der innere Zusammenhang zu schwach wird.

Durchhalten Übung über 4 Tage machen für optimistisches denken

Trauen Sie sich, optimistisch zu sein!

Versuchen Sie bei dieser Übung nicht, den Ball flach zu halten. Denken sie groß, trauen Sie sich, optimistisch zu sein! Fokussieren Sie sich auf Ihre wichtigsten Ziele und legen Sie los. Und sollte Ihnen Ihr innerer Kritiker währenddessen einen Besuch abstatten und Ihnen leise, aber bestimmt zuflüstern „Wie willst du das denn schaffen?“, dann schicken Sie ihn nicht einfach wieder weg, sondern binden Sie seine Anmerkungen ein: Wie könnte ein alternativer Weg zu Ihrem Ziel aussehen? Wie können Sie Ihre Stärken einsetzen, um Ihre Ziele zu erreichen?

Die Übung „best possible self” fördert optimistisches Denken, Zuversicht und Hoffnung. Außerdem steigert sie die Motivation, ins Tun zu kommen. Das klare positive Zukunftsbild von sich und Ihrer Umwelt führt dazu, dass sich Ihr Wohlbefinden steigert und Sie sich einer besseren Gesundheit erfreuen können. Darüber hinaus stärkt die Übung Charakterstärken wie Kreativität, Mut, Liebe zum Lernen und Dankbarkeit. Der Ausbau dieser Stärken führt wiederum dazu, dass Sie Ihr Ziel leichter erreichen.

Lassen Sie Ihr „best possible self“ vor Ihrem inneren Auge entstehen und Sie werden von den positiven Effekten überrascht sein!

Ein Tropfen breitet sich aus Best possible self optimistisch denken

Literatur:
  • Blickhan, D. (2021): Positive Psychologie und Coaching. Von der Lösung- zur Wachstumsorientierung. Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Hausler, M. (2022): Therapie-Tools. Wohlbefindenstherapie. Verlagsgruppe Beltz, Weinheim Basel.

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Aufblühen oder Flourishing ist ein wichtiger Hebel für ein zufriedenes Arbeitsleben. Aber lassen Sie uns mit einem Bild starten.

Ein Samen muss in die Erde gelangen und genügend Feuchtigkeit bekommen, damit sich aus ihm eine zarte Knospe entwickeln kann. Und damit diese zu einer wunderschönen Blume heranwachsen kann, braucht sie neben Wasser und Erde auch Licht und Dünger – und vielleicht ein bisschen liebevolle Zuwendung.

Bei uns Menschen ist es ähnlich: Auch wir benötigen eine Kombination aus verschiedenen „Zutaten“, damit wir aufblühen und über uns selbst hinauswachsen. Doch welche sind das und welchen Einfluss haben wir darauf, ob wir aufblühen oder verwelken?

Schauen wir uns zunächst an, was die Positive Psychologie unter dem Begriff des Aufblühens – in der Fachsprache auch Flourishing genannt – versteht.

Flourishing für ein erfülltes Leben Aufblühen zufrieden Leben

Wann Menschen aufblühen

Aufblühen meint den „Optimalzustand“ der psychischen Gesundheit: Würden wir auf ein Kontinuum schauen, so wäre „psychisch krank“ im negativen Bereich verortet, während „psychisch gesund“ bei null stehen würde. Aufblühen ginge hingegen weit darüber hinaus ins Positive.

Unter Aufblühen versteht die Positive Psychologie unterschiedliche Aspekte des Wohlbefindens:

Flourishing um erfüllt zu Leben Aufblühen zufrieden Leben

Zusammenfassend könnte man sagen, dass wir, wenn wir aufblühen, einen Prozess des persönlichen Wachstumserleben. Wir gestalten unsere psychische Entwicklung aktiv und „werden, wer wir sind“. Damit ist gemeint, dass wir der menschlichen Bestimmung nachkommen, uns so zu entwickeln, dass sich unser Potenzial entfalten kann.

Tipps für Ihren Optimalzustand

Natürlich ist der Prozess des Aufblühens sowie dessen Ergebnis per se erstrebenswert, weil sich dadurch unser Wohlbefinden steigert. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Gründe, warum es uns guttut, aufzublühen: Menschen, die aufblühen, sind in der Regel gesünder und haben eine höhere Lebenserwartung. Sie sind erfolgreicher im Job und schaffen es leichter, qualitativ hochwertige Freundschaften und stabile Partnerschaften zu führen.

Jeder Mensch hat es selbst in der Hand, ob er aufblüht oder nicht. Die Komponenten des PERMA-Modells zeigen anschaulich, worauf wir in unserem Leben achten sollten:

PERMA für Flourishing Aufblühen zufrieden Leben

Positive Emotionen: Hier geht es um unsere „Emotionsbilanz“. Sorgen Sie aktiv dafür, dass Sie mehr positive Emotionen erleben!

Engagement: Üben Sie regelmäßig Tätigkeiten aus, die Ihnen Erfüllung bringen und bei denen Sie Raum und Zeit vergessen, also „voll im Flow“ sind.

Relationship: Pflegen Sie die Beziehungen zu den Menschen, die Ihnen guttun.

Meaning: Finden Sie heraus, welchen Sinn Sie in unterschiedlichen Lebensbereichen sehen und richten Sie ihr Leben danach aus.

Accomplishment: Setzen Sie sich Ziele, die Sie mit dem Einsatz Ihrer Fähigkeiten erreichen können. Denn wir erleben uns als wirksam und sind zufriedener, wenn wir unsere Ziele erreichen.

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021): Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently published.
  • Blickhan, D. (2021): Positive Psychologie und Coaching. Von der Lösung- zur Wachstumsorientierung. Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Glossner, Albert (2022): Flourishing – Was kann ich für mein Aufblühen tun? https://www.abb-seminare.de/blog/flourishing/ (Zugriff: 28.08.2022)
  • Schwier, M. & Sohr, S. (2021): Mit einem Lächeln – 100 Übungen zur Positiven Psychologie, Junfermann Verlag, Paderborn.

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Ein jeder strebt danach. Irgendwie sind wir alle auf der Suche nach dem Glück. Und dennoch fällt es vielen Menschen schwer, es spontan zu definieren: das Glück. Wahrscheinlich stimmen Sie mir zu, wenn ich sage: Glücklich lebt es sich besser. Aber was genau ist das eigentlich für ein Zustand, dieses „glücklich sein“? Machen wir uns also auf die Suche nach dem Glück!

Die Wissenschaft unterscheidet zwei Formen des Glücks: das Wohlfühlglück und das Werteglück. Schauen wir uns an, was es mit den beiden auf sich hat und wie sie zusammenhängen.

Wohlfühlglück

Wohlfühlglück – auch hedonistisches Glück genannt – stellt sich ein, wenn wir uns gut fühlen und viele positive Emotionen haben. Das Wohlbefinden bezieht sich hier auf das Erleben von Freude, Genuss und Vergnügen. Das kann ein schöner Abend mit Freunden, eine tolle Wanderung in den Bergen oder der entspannende Besuch in der Sauna sein: Schöne Momente, in denen wir uns leicht fühlen und unser Leben als angenehm empfinden.

Natürlich tut es uns gut, möglichst oft in einer positiven Stimmung zu sein. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir ein glückliches Leben führen. Denn um dauerhaft glücklich zu sein, müssen wir auch das Gefühl haben, uns verwirklichen zu können.

Suche nach dem Glück Wohlfühlglück - hedonistisches Glück

Werteglück

Das bringt uns zur zweiten Form des Glücks: dem Werteglück, das in der Wissenschaft auch als eudämonistisches Glück bezeichnet wird. Hier geht es vor allem um das Erleben von Sinn, das Ausleben unserer Potenziale und den Einsatz unserer Stärken. Wir möchten uns selbst verwirklichen und ein Leben im Einklang mit unseren Werten führen. All das löst ähnlich angenehme Empfindungen aus wie das Wohlfühlglück: Wir empfinden unser Leben als erfüllend.

Ein erfülltes Leben zu führen, heißt übrigens nicht, keine negativen Gefühle zu haben. Um die Ziele zu erreichen, die mit unseren Werten in Einklang stehen, kann es durchaus sein, dass wir auf Widerstände und Herausforderungen stoßen. Vielleicht müssen wir auch einmal auf etwas verzichten, um an unseren langfristigen Zielen festhalten zu können.

Werteglück erleben wir beispielsweise, wenn wir uns für eine Sache engagieren, die uns am Herzen liegt oder wenn wir anderen helfen. Eine in unseren Augen sinnbehaftete Tätigkeit löst genauso angenehme Gefühle aus, als wenn wir unsere Ziele beharrlich verfolgen – trotz eventueller Hindernisse oder Schwierigkeiten.

Suche nach dem Glück - Sinn

Im Gegensatz zum Wohlfühlglück, das häufig von äußeren Umständen abhängt, hat Werteglück mehr mit unserem Lebensinhalt zu tun: Das Glück stellt sich ein, während wir der Tätigkeit nachgehen und nicht erst nach deren Abschluss. Der Prozess selbst sorgt für unser Glückserleben.

Werteglück und Wohlfühlglück Suche nach dem Glück

Die Mischung macht’s

Wohlfühlglück und Werteglück bedingen sich weder gegenseitig, noch schließen sie sich aus. So ist es denkbar, dass wir viele schöne Momente erleben, weil unsere finanzielle Situation uns Annehmlichkeiten wie Reisen oder ein luxuriöses Zuhause mit Blick aufs Meer ermöglicht. Das heißt aber nicht, dass wir mit unserem Leben insgesamt zufrieden sind. Vielleicht fehlt es uns an Freunden oder einer erfüllenden Aufgabe. Andersherum können wir ein zufriedenes Leben führen, obwohl wir weniger finanzielle Möglichkeiten haben oder auf gewisse Aktivitäten verzichten müssen, weil unsere Gesundheit sie nicht erlaubt.

Es wäre falsch, zu behaupten, dass eine der beiden „Glücksarten“ wichtiger wäre als die andere. Wohlfühlglück hat eine kürzere Dauer und kommt häufig aus dem Außen. Werteglück hingegen geht mit einem länger anhaltenden, tieferen Glücksempfinden einher und speist sich hauptsächlich aus unserem Inneren. Wie bei so vielen Dingen im Leben gilt wohl auch hier: Die Mischung macht’s.

Wir sind glücklich, wenn wir regelmäßig schöne Momente und positive Emotionen erleben. Genauso wichtig ist es aber, dass wir ein Leben führen, das unserer Persönlichkeit und unseren Werten entspricht und in dem wir einen Sinn sehen. Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg auf der Suche nach dem Glück.

Werteglück und Wohlfühlglück

Literatur:

Blickhan, D. (2018) Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis. Paderborn: Junfermann.

Universität Zürich (2021). Psychologisches Institut. Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik. Positive Psychologie. Online http://www.positive-psychologie.ch/?page_id=24 (Download am 09. August 2022)

Lesezeit 3 min

Ich möchte ein glückliches und zufriedenes Leben führen. Sie etwa nicht? Ich glaube, ich kenne Ihre Antwort, auch wenn ich Sie vielleicht nicht kenne. Denn wir alle streben nach Glück, Zufriedenheit, Erfüllung, Entspannung. Das ist menschlich. Und warum ist das so? Na, weil es sich einfach gut anfühlt und guttut.

Wie aber können wir selbst daran arbeiten, ein erfülltes Leben zu führen? Ich habe da eine Menge Ideen. Eine davon möchte ich Ihnen in diesem Blogbeitrag aufzeigen. Es geht um Emotionen, und zwar um die positiven. Positive Emotionen sind eine wertvolle „Zufriedenheitsressource“: Sie fördern unsere Entwicklung als Individuen und auch als Gruppe.

Wenn wir positive Emotionen haben, fühlen wir uns gut und sicher und beginnen, über uns hinauszuwachsen. Experimentierfreudigkeit und Kreativität sprudeln nur so aus uns heraus. Das führt dazu, dass wir erfolgreich sind. Ich halte es deshalb für eine gute Idee, dass wir uns den positiven Dingen in unserem Leben bewusst zuwenden. So können wir auch unsere positiven Emotionen verstärken.

Emotionen erkennen und regulieren

Die Vielfalt an Emotionen erkennen

Nach dem amerikanischen Psychologen Paul Ekmann gibt es sechs Basisemotionen: Freude, Überraschung, Trauer, Ekel, Ärger und Angst. Das besondere an ihnen ist, dass sie bei allen Menschen auf der Welt vorkommen. Außerdem ist es für andere möglich, sie an unserem Gesichtsausdruck zu erkennen.

Sie kommen bei allen Menschen auf der Welt vor. Man kann sie am Gesichtsausdruck ablesen.

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Emotionen wie Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Betrübnis, Ablehnung oder Verlegenheit. Mit der Bestimmung anhand des Gesichtsausdrucks wird es hier aber schwieriger.

Schauen wir uns den Unterschied zwischen positiven und negativen Emotionen an, so fällt auf, dass wir negative Emotionen schneller wahrnehmen und sie auch länger anhalten. Wir behalten sie zudem länger im Gedächtnis. Wenn es um die positiven Emotionen geht, so sind wir keine besonders guten Wahrnehmer: Sie fallen uns nicht so häufig auf, obwohl wir sie im Alltag öfter erleben.

So entstehen Emotionen

Wie entstehen nun aber Emotionen? Stellen Sie sich vor, ein guter Freund oder eine gute Freundin ruft sie nach einigen Wochen mal wieder an. Was denken Sie, wenn Sie die Nummer auf dem Display sehen?

Möglichkeit 1: „Oh wie schön! Da freue ich mich jetzt aber!“

Möglichkeit 2: „Ha, du hättest mich wirklich schon letzte Woche anrufen sollen!“

Im ersten Fall entwickeln Sie Freude, im zweiten keimt Ärger in Ihnen auf.

An diesem Beispiel kann man sehr schön erkennen, dass Emotionen entstehen, wenn wir eine Situation bewerten. Diese Bewertung erfolgt durch die Grundannahmen, mit denen wir durchs Leben gehen. Natürlich spielen auch die Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, eine Rolle. Und genau das ist der Grund dafür, warum unterschiedliche Menschen in ein und derselben Situation unterschiedliche Emotionen entwickeln.

So entstehen Emotionen Gedanken Gefühle Verhalten Grundannahmen

Erkennen Sie Ihre Emotionen?

In jeder Situation unseres Lebens bringen wir auch immer einen Teil unserer persönlichen Geschichte mit. Daher kann es passieren, dass wir eine Emotion entwickeln, die für die jeweilige Situation vielleicht ein bisschen stark ist: Wir reagieren über. In manchen Situationen ist es deshalb sinnvoll, etwas Abstand zu gewinnen, bevor wir agieren: Wir regulieren unsere Emotion. Damit meine ich nicht, dass sie unterdrückt werden sollten. Aber unser Verhalten sollte der jeweiligen Situation angemessen sein.

Nach Goleman (1995) bedeutetet emotional intelligent zu handeln, Gefühle bei sich und anderen zu erkennen, sie richtig einschätzen und auch beeinflussen zu können.

Intelligentes Handeln mit Emotionen 5 Komponenten

Emotionen erkennen mit dem Gefühlsprotokoll

Der erste Schritt zur Emotionsregulation ist es, die unterschiedlichen Emotionen zu kennen und sich ihrer bewusst zu werden. Wenn wir verstanden haben, welche Emotionen wann bei uns auftreten, können wir überlegen, wie wir reagieren möchten. Es lohnt sich sehr, die positiven Emotionen zu verstärken. Und bei den negativen können wir versuchen, bewusster zu reagieren.

Eine Möglichkeit, Emotionen bei sich selbst zu erkennen, ist das Gefühlsprotokoll. Ich möchte es hier teilen, weil es mir persönlich sehr weitergeholfen hat. Beobachte deine Emotionen für einige Tage und danach wirst du klarer sehen!

Hier geht’s zum Download:

Ja, ich möchte das Gefühlsprotokoll ausprobieren!

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021): Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently published.
  • Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis, Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Golemann, D. (1995): Emotional Intelligence. Why It Can Matter More Than IQ. Bantam, New York.
  • Ekmann, P. (2004). Gefühle lesen – Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. München; Spektrum. Akademischer Verlag
  • Legenbauer, T. & Vocks, S. (2006): Manual der kognitiven Verhaltenstherapie bei Anorexie und Bulimie, Springer Verlag, Berlin & Heidelberg.
  • Rose, N. (2021): Management Coaching und Positive Psychologie. Stärken stärken, sinnvoll wachsen. Haufe Verlag, Freiburg.

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Wann haben Sie das letzte Mal jemandem aktiv zugehört? Also, so richtig zugehört? Ohne dabei noch drei andere Sachen zu machen und in Gedanken die Einkaufsliste zu erstellen?

Unsere Ohren sind den ganzen Tag auf Empfang und wir nehmen mit ihnen Unmengen an Informationen auf. Aber mal ehrlich: Welche Inhalte aus der Informationsflut bleiben am Ende hängen?

Richtig: Nur ein verschwindend geringer Teil. Die Aspekte, auf die wir uns konzentriert haben. Die wir nicht nur gehört, sondern auch verstanden und abgespeichert haben.

Aktiv zuhören

Aktiv zuhören, um zu verstehen

Als ersten Schritt, um mitzubekommen, wie es den Menschen in unserem Umfeld geht – was sie bewegt, freut oder bedrückt – sollten wir die Ohren aufstellen und genau zu- und hinhören. Oder besser gesagt: aktiv zuhören. So können wir die Beziehungen zu unseren Mitmenschen liebevoll pflegen und positiv gestalten.

Doch was genau ist das eigentlich, aktiv Zuhören?

  1. Ein unbekannter Autor hat es wunderbar auf den Punkt gebracht: „Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.“ Hören wir hingegen aktiv zu, dann möchten wir etwas erfahren, das wir vorher noch nicht wussten.
  2. Aber Achtung: Aktiv Zuhören ist kein Vorgang, sondern eine Haltung, die geübt werden will.
  3. Beim aktiven Zuhören tauchen wir in andere Welten ein: Unsere eigenen Vorstellungen treten in den Hintergrund, denn wir lassen uns ganz auf das ein, was unser Gegenüber uns erzählt. Manche Autoren sprechen deshalb auch vom „ziellosen Zuhören“: Man weiß vorher nicht, wo man nachher rauskommt.

aktiv zuhören neugierig offen Haltung

Wer aktiv zuhört, ist neugierig und offen für das, was sein Gesprächspartner ihm erzählt. Dabei müssen wir uns selbst häufig austricksen: Der Mensch neigt nämlich dazu, vor allem die Aspekte wahrzunehmen, die seine eigene Meinung bestätigen. Stimmen wir einer Aussage nicht zu, dann sind wir schnell dabei, im Geiste Gegenargumente zu suchen. Und schon hören wir nicht mehr richtig zu.

Ob in uns ein guter Zuhörer steckt oder nicht, zeigt sich also vor allem dann, wenn unser Gesprächspartner uns mit einer anderen Meinung konfrontiert.

Aktiv zuhören – so geht das

Der amerikanische Psychologe Carl Rogers hat drei Voraussetzungen benannt, damit wir aktiv zuhören können: Wir sollten

  1. empathisch sein und unserem Gegenüber mit einer offenen Grundhaltung begegnen,
  2. authentisch auftreten und
  3. unserem Gesprächspartner Akzeptanz und eine positive Betrachtung

Drei Voraussetzungen für aktiv zuhören

Soweit die Grundhaltung. Kommen wir nun zu den einzelnen Komponenten des aktiven Zuhörens. Wie schaffen Sie es, das Scheinwerferlicht auf Ihr Gegenüber zu richten und es dort zu lassen?

10 Tipps für das aktive Zuhören

1. Der andere bestimmt das Tempo

Unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner nicht. Halten Sie Pausen aus und geben Sie ihm Zeit, um sich und seine Gedanken zu ordnen.

2. Aufmerksamkeit signalisieren ist wichtig beim aktiven Zuhören

Senden Sie Ihrem Gegenüber bestätigende Signale wie beispielsweise ein Nicken, Lächeln oder Vorlehnen. Halten Sie den Blickkontakt und nehmen Sie eine ähnliche Körperhaltung ein.

3. Sich in den anderen hineinversetzen

Versuchen Sie zu verstehen, wie Ihr Gegenüber tickt, was ihn gerade umtreibt und wieso das so ist.

4. Eigene Meinung außen vor lassen

Es geht in dem Moment ausschließlich um Ihren Gesprächspartner und nicht um Sie.

5. Keine Bewertung vornehmen

Hören Sie Ihrem Gegenüber zu, ohne das Gesagte zu bewerten. Das bedeutet nicht, das sie ihm zustimmen oder es gutheißen.

6. Nichts persönlich nehmen

Achten Sie bei Vorwürfen und Kritik verstärkt auf Ihre neutrale Grundhaltung und versuchen Sie, das Gesagte nicht persönlich zu nehmen.

7. Das Gesagte quittieren

Geben Sie Ihrem Gesprächspartner ein akustisches Signal wie „aha“ oder „hm“. Damit zeigen Sie, dass Sie das Gesagte gehört haben. Das ist nicht zu verwechseln mit einer Bestätigung – „ja“, „genau“, „richtig“ – mit der Sie Ihre Zustimmung ausdrücken. Das sollten Sie nur tun, wenn dem auch tatsächlich so ist.

8. Nachfragen beim aktiven Zuhören

Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Aber bitte keine weiterführenden Fragen, wir sind ja beim Zuhören!

9. Reflektieren

Wiederholen Sie das Gesagte in eigenen Worten. So können Sie überprüfen, ob Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben. Achten Sie dabei darauf, den Inhalt weder zu analysieren noch zu interpretieren.

10. Hören zwischen den Zeilen

Nehmen sie die Gefühle des anderen wahr und sprechen Sie sie auf eine unterstützende und konstruktive Weise an. So vermitteln Sie Ihrem Gegenüber, dass seine Gefühle wichtig sind.

Komponenten Aufmerksamkeit hineinversetzen nachfragen reflektieren aktiv zuhören

 

Aktiv Zuhören muss geübt werden. Vielen Menschen fällt es schwer, die Aufmerksamkeit für eine längere Zeitspanne beim Gesprächspartner zu lassen. Zu gerne möchten wir sagen „Das kenne ich!“, um dann eine eigene Erfahrung zu schildern. Sinn und Zweck vom aktiv Zuhören liegt jedoch darin, sich voll und ganz auf den anderen einzulassen und sich selbst zurückzunehmen. Lassen Sie den Scheinwerfer auf Ihr Gegenüber gerichtet!

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021): Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently published.
  • Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis, Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Niekerken, A. (2020): Das Geheimnis richtigen Zuhörens. Wie Sie erfolgreicher und besser kommunizieren, Springer Fachmedien, Wiesbaden.

Lesezeit 4 min

Die positive Kommunikation ist eine der wesentlichen Faktoren für gelingende Beziehungen. Wie könnte es anders sein, sind wir Menschen doch nicht in der Lage, nicht zu kommunizieren. Auch ein Schweigen oder ein Blick transportieren unweigerlich eine Aussage.

Wenn also sowieso kein Weg an Kommunikation vorbeiführt, dann sollten wir uns bemühen, so oft wie möglich positiv zu kommunizieren. Das ist nicht nur eine wertvolle Kompetenz fürs Arbeitsleben, sondern trägt auch dazu bei, dass wir in unserem Privatleben mehr Zufriedenheit finden. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie positive Kommunikation gelingen kann.

Kommunikation setzt immer auf zwei Seiten an: beim Sender und beim Empfänger. Der eine sendet eine Botschaft, der andere empfängt sie. Klingt einfach, ist es aber nicht. Friedemann Schulz von Thun beschreibt das Dilemma folgendermaßen: Der Sender sendet eine Botschaft, diese ist jedoch verschlüsselt. Das bedeutet, dass der Empfänger sie entschlüsseln muss. Wie kann er aber sicherstellen, dass er das richtig macht?

Sender Empfänger Modell

Die Antwort ist: Gar nicht. Es gibt keine Garantie dafür, dass der Empfänger die gesendete Botschaft richtig versteht. Was können wir also tun – sowohl in der Rolle des Senders als auch in der des Empfängers – um richtig verstanden zu werden beziehungsweise richtig zu verstehen?

Grundlagen der positiven Kommunikation

Wenn man positiv kommunizieren möchte, hilft es, sich bewusst zu machen, dass jede Nachricht vier unterschiedliche Seiten hat, in denen verschiedene Arten von Informationen stecken. Der Empfänger entschlüsselt die Nachricht in der Regel auch auf diesen vier Ebenen. Schauen wir sie uns im Detail an:

Vier Ohren Modell

Betrachtet man diese vier Seiten genauer, so ist es nicht verwunderlich, dass die Botschaft während ihrer Reise vom Sender zum Empfänger modifiziert wird und nicht immer das beim Empfänger ankommt, was der Sender vermitteln wollte.

Wir haben unterschiedliche Ohren

An dieser Stelle kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Genauso, wie der Sender einen Teil von sich selbst preisgibt, bringt auch der Empfänger seine Persönlichkeit in die Entschlüsselung der Nachricht mit ein. Wir alle haben nämlich unterschiedliche Ohren und neigen dazu, sie bei der Interpretation der Botschaft zu Rate zu ziehen. Dabei kann es passieren, dass die Botschaft in ihrer vom Sender gemeinten Bedeutung verfälscht wird.

Vier Ohren Modell

Die Herausforderung liegt folglich im Verstehen und verstanden werden. Positiv zu kommunizieren gelingt am besten, wenn der Empfänger versucht, dem Sender wirklich zuzuhören und sich in ihn hineinzuversetzen. Dieses wichtige Thema des aktiven Zuhörens werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag ausführlich beleuchten.

Hier möchte ich Ihnen jetzt noch ein paar allgemeine Tipps für eine positive Kommunikation an die Hand geben.

 

Tipps für positive Kommunikation

8 Tipps, damit die positive Kommunikation auch wirklich gelingt!

Bei der positiven Kommunikation geht es darum, positive Botschaften zu senden und zu empfangen beziehungsweise positive Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Bitte verstehen Sie mich an dieser Stelle nicht falsch: Es geht nicht darum, negative Aspekte auszulassen, sondern die Kommunikation positiv zu gestalten. Das funktioniert am besten, wenn Sie versuchen, einen neutralen Standpunkt einzunehmen und das Positive zu betonen.

Tipp 1 für eine positive Kommunikation: Worte mit Bedacht wählen

Formulieren Sie positiv. Vermeiden Sie Wörter wie sollen, müssen, Problem, aber und Fehler. Finger weg von Generalisierungen (immer, nie, grundsätzlich)! Verwenden Sie stattdessen lieber Ausdrücke wie in letzter Zeit.

Tipp 2: Perspektive verändern

Senden Sie Ich-Botschaften: Ich denke, ich habe den Eindruck, dass…Damit stellen Sie klar, dass es sich um Ihre Wahrnehmung handelt und dass Ihr Gegenüber eine andere Einstellung zum Gesagten haben darf.

Tipp 3: Dinge direkt ansprechen

Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Mitmenschen, wenn Sie etwas stört. Auch dann, wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Damit verhindern Sie, dem anderen irgendwann eine „Generalabrechnung“ um die Ohren zu hauen, mit der er im Zweifel nichts anfangen kann. Durch eine direkte Rückmeldung geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, Dinge zu verändern.

Tipp 4: Negative Gefühle mitteilen, um positiv zu kommunizieren

Bei der positiven Kommunikation geht es nicht darum, negative Gefühle zu verdrängen. Sie sollten aber so kommuniziert werden, dass sich Ihr Gegenüber davon nicht angegriffen fühlt: Wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht, bleiben Sie freundlich, senden Sie Ich-Botschaften und halten Sie Blickkontakt.

Positive Kommunikation

Tipp 5: Ehrliches Interesse zeigen

Signalisieren Sie Ihrem Gesprächspartner durch kleine positive Gesten wie beispielsweise Kopfnicken, dass Sie gerade voll bei ihm oder ihr sind und sich für das Gesagte interessieren.

Tipp 6: Andere Meinungen akzeptieren

Es ist völlig normal, dass Sie die Menschen in Ihrem Umfeld beeinflussen – und umgekehrt. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass es in Ordnung ist, unterschiedliche Ansichten zu haben und man nicht in jedem Punkt übereinstimmen muss.

Tipp 7: Feedback geben

Achten Sie bei der positiven Kommunikation darauf, die Situation möglichst sachlich zu beschreiben und sie nicht zu bewerten. Bleiben Sie bei sich: Welche Gefühle hat das Verhalten Ihres Gegenübers bei Ihnen ausgelöst? Runden Sie das Feedback mit einem Wunsch für die Zukunft ab. Richten Sie Ihre Rückmeldung immer auf das Verhalten und nicht auf die Persönlichkeit.

Tipp 8: Feedback annehmen

Auch hier gilt es, ganz bei sich selbst zu bleiben. Spüren Sie in sich hinein, was die Worte Ihres Gesprächspartners bei Ihnen auslösen und ob Sie das Feedback annehmen können. Im besten Fall schaffen Sie es, sich für das Feedback zu bedanken.

Versuchen Sie, Ihre Kommunikation positiv zu gestalten und Sie werden sehen, dass Ihr Gegenüber Sie häufiger richtig versteht und es Ihnen als Empfänger leichter gelingt, Nachrichten richtig zu entschlüsseln!

Positive Kommunikation

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021): Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently published.
  • Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis, Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Schwier, M. & Sohr, S. (2021): Mit einem Lächeln – 100 Übungen zur Positiven Psychologie, Junfermann Verlag, Paderborn.

 

Lesezeit – 4 min

Es gibt viele unterschiedliche Faktoren, die dazu beitragen, dass wir zufrieden durchs Leben gehen. Einer sticht dabei deutlich hervor: Gute Beziehungen zu den Menschen in unserem direkten Umfeld.

Gelingende Beziehungen sind der Zufriedenheitsfaktor schlechthin, und das konstant über unseren gesamten Lebensverlauf. Das ist eine logische Konsequenz, wenn man bedenkt, dass das Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit in jedem tief verwurzelt ist.

Wir sprechen von Beziehungen, wenn zwei oder mehr Menschen miteinander in Verbindung stehen und einen gegenseitigen sozialen Einfluss aufeinander ausüben. Dieser zeigt sich in Veränderungen in der Meinung, den Einstellungen und dem Verhalten.

Unsere erste Beziehung haben wir unweigerlich mit unseren Eltern. Als Kinder orientieren wir uns an ihnen und schauen uns Verhaltensweisen von ihnen ab. Etwas später treten Kindergarten- und Schulfreunde in unser Leben, danach sind es Arbeitskollegen, unser Partner und vielleicht irgendwann auch unsere eigenen Kinder.

Liebevolle Beziehungen zu Eltern

Gute Beziehungen im Arbeitsumfeld

Nico Rose beschreibt in seinem 2019 erschienenen Buch „Arbeit besser machen“ eine Studie, in der 200.000 Menschen aus 189 Ländern gefragt wurden, welche Faktoren zu ihrem persönlichen Arbeitsglück ausschlaggebend sind. Raten Sie einmal, welche vier Aspekte am häufigsten genannt wurden. Es waren nicht, wie man vielleicht zunächst vermuten würde, ein attraktives Gehalt oder gute Weiterbildungsmöglichkeiten (obwohl diese natürlich auch auftauchen). Nein, die vier wichtigsten Faktoren sind

  • Wertschätzung für die eigene Arbeit,
  • eine gute Beziehung zu den Kolleg*innen,
  • eine gute Work-Life-Balance sowie
  • eine gute Beziehung zum Vorgesetzten.

Wertschätzung unter Kollegen

Bleiben wir einmal beim Thema Wertschätzung für die eigenen Leistungen. Als Führungskraft sollte ich mir die Mühe machen, herauszufinden, welche Art von Lob bei welchem meiner Mitarbeiter gut ankommt. Der eine mag das persönliche Gespräch oder eine E-Mail mit anerkennenden Worten. Der andere zieht es vor, das Lob in großer Runde zu erhalten. Im Zweifelsfall lohnt es sich, bei den Kolleg*innen nachzufragen: Wie müsste ich dich loben oder deine Arbeit wertschätzen, damit das bei dir ankommt?

Im Umgang mit den Teamkolleg*innen ist es spannend, sich zu fragen, wie man selbst eigentlich darauf reagiert, wenn ein Kollege oder eine Kollegin freudestrahlend von einem Erfolg berichtet. Eine wertschätzende Art der Reaktion ist die aktiv-konstruktive: Wir richten ganz bewusst das Scheinwerferlicht auf unser Gegenüber und geben ihm so die Gelegenheit, in der positiven Stimmung zu verweilen und sich dabei beispielsweise die eigenen Stärken vor Augen zu führen oder sich der eigenen Erfolgsstrategie bewusst zu werden. Das geht am besten mit offenen Fragen:

  • Wie hast du das hinbekommen?
  • Was war das Beste an deinem Erfolg?
  • Das war sicher eine Menge Arbeit, erzähl mal!

Indem wir aktiv-konstruktiv reagieren, zeigen wir unserem Gegenüber, dass wir ihm den Erfolg gönnen und uns mit ihm freuen. Nichts ist schlimmer, als wenn sich für uns wichtige Menschen von uns abwenden, weil es für uns gerade gut läuft.

Aktives Zuhören und gute Beziehungen

So gelingen gute Beziehungen in Organisationen

In großen Organisationen gibt es eine Vielzahl an Beziehungen – oder Verbindungen – zwischen Menschen. Damit sind keineswegs nur einzelne Teams oder Abteilungen gemeint. Im Prinzip kann jeder mit jedem eine Verbindung aufbauen. Es liegt schließlich an uns, ob wir unsere Mitmenschen in der Schlange vor der Cafeteria oder am Kopierer ansprechen und so eine – wenn auch kurze – Verbindung mit unserem Gegenüber eingehen.

Auf welche Art von Beziehungen kommt es nun aber an? Natürlich: auf die, die in uns ein gutes Gefühl auslösen. Jane Dutton (2003) sprich in diesem Zusammenhang auch von hochqualitativen Verbindungen („High-Quality Connections“). Das sind kurze (wiederkehrende) Momente, in denen wir uns mit einem Mitmenschen verbunden fühlen. Interessant daran ist, dass wir diese Momente auch mit Menschen erleben können, die wir eigentlich nicht mögen. In gelingenden langfristigen Beziehungen erleben wir diese Momente der Verbundenheit regelmäßig.

Für eine Organisation sind diese hochqualitativen Verbindungen wahre Schätze: Durch die mit ihnen verbundenen Emotionen fühlen sie sich gut und authentisch an. Darüber hinaus sind hochqualitative Verbindungen belastbarer. Das bedeutet, dass Störungen weniger ins Gewicht fallen. Die hochqualitativen Verbindungen zeigen auch eine höhere Konnektivität: Wir begegnen unserem Gegenüber mit mehr Offenheit und sind eher bereit, neue Gedanken und Betrachtungsweisen zuzulassen.

Wertschätzung in Organisationen

Nehmen Sie es in die Hand!

Wir können hochqualitative Verbindungen bewusst erschaffen. Dazu muss allerdings einer der Partner in Vorleistung gehen. Es gibt vier Verhaltensweisen, die das Entstehen von hochqualitativen Beziehungen begünstigen.

Respekt: Wir können uns ganz bewusst dazu entscheiden, einer Person wohlwollend und mit Achtung gegenüberzutreten.

Vertrauen: Geben wir unserem Gegenüber einen Vertrauensvorschuss, so ist dieser in der Regel motiviert, uns nicht zu enttäuschen.

Humor: Manchmal ist es hilfreich, sich selbst, den anderen und die Situation nicht allzu ernst zu nehmen. Eine wohldosierte Portion Humor zum richtigen Zeitpunkt kann viele Situationen auflockern.

Aufgabenbezogene Unterstützung: Wenn wir unseren Kolleg*innen bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben unter die Arme greifen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, steigert das die Beziehungsqualität ganz enorm.

Versuchen Sie es einmal und Sie werden sehen, wie schön und bereichernd diese Momente der Verbundenheit sind!

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021): Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently published.
  • Dutton, J. E. (2003): Energize your workplace: How to create and sustain high-quality connections at work. San Francisco, CA, Jossey-Bass.
  • Rose, N. (2019) Arbeit besser machen. Positive Psychologie für Personalarbeit und Führung. Haufe Verlag, Freiburg.
  • Schwier, M. & Sohr, S. (2021): Mit einem Lächeln – 100 Übungen zur Positiven Psychologie, Junfermann Verlag, Paderborn.

5 min Lesezeit

Achtsamkeit im Alltag wird in den letzten Jahren zunehmend diskutiert worden – nicht nur im Arbeitskontext, aber auch. Der ein oder andere mag damit vielleicht (noch) nichts anzufangen wissen. Es lohnt sich aber, sich mit dem Thema – Achtsamkeit im Alltag – zu beschäftigen und achtsam durchs Leben zu gehen.

Wie entsteht Achtsamkeit im Alltag?

Achtsamkeit entsteht, wenn unsere komplette Aufmerksamkeit auf das bewusste Erleben eines einzelnen Moments gerichtet ist. Der Kopf hat Pause, eine Bewertung der Situation findet nicht statt. Die Aufmerksamkeit kann dabei nach außen oder innen gerichtet sein: auf die Situation, in der wir uns gerade befinden oder auf unseren Körper oder Atem.

Anders als im Flow, wo wir vollständig in einer Tätigkeit aufgehen und uns später fragen, wo die Zeit geblieben ist, erleben wir den Moment der Achtsamkeit ganz bewusst. Wir steigen aus unserem Autopilot-Modus aus, sind ganz im Hier und Jetzt und lassen den Augenblick einfach auf uns wirken.

Die zentralen Bausteine der Achtsamkeit im Alltag sind also Präsenz und Akzeptanz.

Im Hier und Jetzt sein im Arbeitsleben

Achtsamkeit bei der Arbeit

Achtsamkeit gehört neben dem Flow und den Werten in die Engagement-Säule der Arbeitszufriedenheit. Durch Achtsamkeitstraining gelingt es uns, besser mit Stress und negativen Emotionen umzugehen. Wir können unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erhalten und erweitern.

Der Software-Konzern SAP hat seinen Mitarbeitern ein zweitätiges Achtsamkeitstraining angeboten und beobachtet, dass die Teilnehmenden danach stärkeres Engagement gezeigt haben und weniger oft krank waren (Rose 2019). Es lohnt sich also auch für Unternehmen, stärker in diese Richtung zu denken.

Besonders während hektischer Arbeitstage fällt es vielen Menschen aber schwer, Pausen einzulegen und für einige Momente ganz bei sich zu sein. Die Gedanken kreisen bereits um das nächste Meeting oder eine schwierige Aufgabe, die dringend erledigt werden muss. Je mehr Stress und Druck wir haben, umso wichtiger ist es, Achtsamkeit zu trainieren.

Stressabbau durch achtsames Handeln im Arbeitsleben

Achtsamkeit im Alltag

Auch außerhalb des Arbeitslebens zeigt Achtsamkeitstraining positive Effekte: Unser psychisches Wohlbefinden steigt und es fällt uns leichter, empathisch und mitfühlend zu sein. Darüber hinaus haben sich Achtsamkeitsübungen bei der Behandlung unterschiedlicher psychischer und körperlicher Erkrankungen als hilfreich erwiesen und einen positiven Effekt auf einige Gesundheitsparameter wie die Funktion des Immunsystemsoder den Blutdruck gezeigt. Auch dem kognitiven Abbau im Alter kann durch Achtsamkeitstraining vorgebeugt werden.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Achtsamkeit eine positive Wirkung auf unsere Selbstregulation hat. Unsere Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation und auch unser Selbsterleben verbessern sich. Wir leben bewusster und können so auch besser spüren, wie es uns geht und was wir gerade brauchen.

12 Übungen zur Achtsamkeit im Alltag

Die Fähigkeit, so oft wie möglich im Hier und Jetzt zu sein und innere und äußere Störfaktoren auszuschalten, tut uns richtig gut. Von Natur aus ist unser Gehirn allerdings so gebaut, dass wir uns gerne ablenken lassen. Wer aber die innere Bereitschaft mitbringt, der kann trainieren, seine Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und zu halten. Mit der Zeit gelingt das immer besser.

Es gibt viele kleine Übungen, die Sie leicht in Ihren Alltag integrieren können. Die Kunst dabei ist, immer ein bisschen weniger lange zu üben, als Sie sich zutrauen. Wenn Sie denken, dass Ihnen fünf Minuten gelingen, dann versuchen Sie es mit drei. Sie können sich dafür auch einen Timer stellen. Wählen Sie einen Signalton, den Sie als angenehm empfinden.

Auch beim Thema Achtsamkeit im Alltag gilt: weniger ist mehr. Nicht die Dauer des Trainings, sondern die Regelmäßigkeit geben den Ausschlag.

Achtsame Haltung trainieren

Im Folgenden gebe ich Ihnen einige Vorschläge an die Hand, mit denen Sie Ihre ersten Achtsamkeits-Schritte gehen können:

Bewusster Start in den Tag

Nehmen Sie sich nach dem Aufstehen einen Augenblick Zeit, in sich hineinzuhorchen und sich zu fragen, wie es Ihnen geht. Das können Sie beispielsweise tun, wenn Sie den ersten Tee oder Kaffee des Tages genießen. Können Sie vielleicht eine besondere Note herausschmecken?

Innehalten

Halten Sie im Laufe des Tages immer wieder inne und stellen Sie Ihre Stimmung auf den Prüfstand. Wenn es Ihnen nicht gut geht, dann überlegen Sie sich, was Sie tun könnten, damit Sie sich besser fühlen.

Bewusst atmen

Nehmen Sie mehrmals täglich drei ganz bewusste Atemzüge. Dadurch verlangsamt sich der Puls und Sie fühlen sich weniger gestresst.

Achtsam unterwegs

Diese kleine Übung können Sie machen, wenn Sie irgendwo warten müssen. Schließen Sie die Augen und nehmen Sie Ihre Umgebung bewusst wahr: Welche Geräusche hören Sie? Was fühlen Sie? Welche Gerüche umgeben Sie? Nehmen Sie all diese Empfindungen wahr, aber bewerten Sie sie nicht. Aufkommende Gedanken schicken Sie freundlich wieder fort. Genießen Sie diesen Zustand der Achtsamkeit für einige Atemzüge. Abschließend atmen Sie noch einmal tief ein und aus. Dann können Sie die Augen wieder öffnen.

Müdigkeit annehmen

Gehen Sie ins Bett, wenn Sie müde sind. Auch, wenn ihr Kopf Ihnen vielleicht sagt, es sei zu früh.

achtsam mit dem eigenen Körper sein

Und auch bei der Arbeit lassen sich achtsame Momente einbauen:

Eine Sache nach der anderen

Multitasking und Achtsamkeit vertragen sich nicht, da wir beim Multitasking versuchen, unsere Aufmerksamkeit auf mehr als eine Sache gleichzeitig zu richten. Da das nicht möglich ist, strengt es uns unnötig an und das Ergebnis lässt meist auch zu wünschen übrig.

Tagesrhythmus berücksichtigen

Wann sind Sie am produktivsten? Legen Sie wichtige oder komplexe Aufgaben in eine Zeit, zu der Sie sich fit fühlen.

Konzentration fördern

Es ist völlig normal, dass unsere Konzentration nach einer Weile nachlässt. Wenn sie das merken, dann machen Sie eine kurze Pause. Öffnen Sie das Fenster und gehen Sie ein paar Schritte im Raum umher.

Bewusste Mittagspause

Auch hier ist Multitasking tabu. Planen Sie ausreichend Zeit zum Essen ein und nehmen Sie ihre Mahlzeit mit allen Sinnen wahr. Laptop und Smartphone sind nicht eingeladen.

Energieräuber überlisten

Finden Sie heraus, wer Ihre Störenfriede sind. Das kann die Ablenkung durch Social Media genauso sein wie eine geräuschvolle Arbeitsumgebung. Schauen Sie stattdessen, was Ihnen Energie verleiht und fördern Sie diese Faktoren. Mails aus, Fenster auf…?

Wertschätzung zeigen

Bringen Sie Ihren Kolleg*innen Wertschätzung entgegen, indem Sie beispielsweise bei Präsentationen Ihre volle Aufmerksamkeit auf den Referenten oder die Referentin richten. Schließen Sie dazu am besten das E-Mail-Programm und legen Sie ihr Smartphone weg.

Nicht sofort reagieren

Achtsamkeit im Alltag bedeutet auch, die eigene Reaktionszeit bewusst zu verlangsamen. Sie haben sich gerade über die E-Mail eines Kollegen geärgert? Antworten Sie nicht sofort, sondern nehmen Sie sich etwas Zeit zum Reflektieren, sodass Ihre Reaktion achtsam ausfallen kann.

Versuchen Sie, die Übungen, die Ihnen am meisten zusagen, in Ihren Alltag zu integrieren.

Über diese Reihe:

Zufriedene Arbeit speist sich aus unterschiedlichen Quellen. In dieser Grafik sind die unterschiedlichen Säulen von Arbeitszufriedenheit zu sehen. Diese sind der Schlüssel um ihr Arbeitsleben zufriedener zu gestalten.

Zufrieden Arbeiten

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021) Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently Published.
  • Blickhan, D. (2015) Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis, Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Hölzel, B. & Brähler, C. (2015): Achtsamkeit mitten im Leben. Anwendungsgebiete und wissenschaftliche Perspektiven, O. W. Barth, München.
  • Rose, N. (2019) Arbeit besser machen. Positive Psychologie für Personalarbeit und Führung. Haufe Verlag, Freiburg.