kommunikation-paraphrasieren-verbalisieren

Lesezeit 3 min

Wann haben Sie das letzte Mal jemandem zugehört? Also, so richtig zugehört? Ohne dabei noch drei andere Sachen zu machen und in Gedanken die Einkaufsliste zu erstellen?

Unsere Ohren sind den ganzen Tag auf Empfang und wir nehmen mit ihnen Unmengen an Informationen auf. Aber mal ehrlich: Welche Inhalte aus der Informationsflut bleiben am Ende hängen?

Richtig: Nur ein verschwindend geringer Teil. Die Aspekte, auf die wir uns konzentriert haben. Die wir nicht nur gehört, sondern auch verstanden und abgespeichert haben.

Zuhören, um zu verstehen

Als ersten Schritt, um mitzubekommen, wie es den Menschen in unserem Umfeld geht – was sie bewegt, freut oder bedrückt – sollten wir die Ohren aufstellen und genau zu- und hinhören. Oder besser gesagt: aktiv zuhören. So können wir die Beziehungen zu unseren Mitmenschen liebevoll pflegen und positiv gestalten.

Doch was genau ist das eigentlich, das aktive Zuhören?

  1. Ein unbekannter Autor hat es wunderbar auf den Punkt gebracht: „Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.“ Hören wir hingegen aktiv zu, dann möchten wir etwas erfahren, das wir vorher noch nicht wussten.
  2. Aber Achtung: Aktives Zuhören ist kein Vorgang, sondern eine Haltung, die geübt werden will.
  3. Beim aktiven Zuhören tauchen wir in andere Welten ein: Unsere eigenen Vorstellungen treten in den Hintergrund, denn wir lassen uns ganz auf das ein, was unser Gegenüber uns erzählt. Manche Autoren sprechen deshalb auch vom „ziellosen Zuhören“: Man weiß vorher nicht, wo man nachher rauskommt.

aktiv zuhören neugierig offen Haltung

Wer aktiv zuhört, ist neugierig und offen für das, was sein Gesprächspartner ihm erzählt. Dabei müssen wir uns selbst häufig austricksen: Der Mensch neigt nämlich dazu, vor allem die Aspekte wahrzunehmen, die seine eigene Meinung bestätigen. Stimmen wir einer Aussage nicht zu, dann sind wir schnell dabei, im Geiste Gegenargumente zu suchen. Und schon hören wir nicht mehr richtig zu.

Ob in uns ein guter Zuhörer steckt oder nicht, zeigt sich also vor allem dann, wenn unser Gesprächspartner uns mit einer anderen Meinung konfrontiert.

So hören Sie aktiv zu

Der amerikanische Psychologe Carl Rogers hat drei Voraussetzungen benannt, damit wir aktiv zuhören können: Wir sollten

  1. empathisch sein und unserem Gegenüber mit einer offenen Grundhaltung begegnen,
  2. authentisch auftreten und
  3. unserem Gesprächspartner Akzeptanz und eine positive Betrachtung

Akzeptanz emphatisch authentisch offene Grundhaltung

Soweit die Grundhaltung. Kommen wir nun zu den einzelnen Komponenten des aktiven Zuhörens. Wie schaffen Sie es, das Scheinwerferlicht auf Ihr Gegenüber zu richten und es dort zu lassen?

Der andere bestimmt das Tempo: Unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner nicht. Halten Sie Pausen aus und geben Sie ihm Zeit, um sich und seine Gedanken zu ordnen.

Aufmerksamkeit signalisieren: Senden Sie Ihrem Gegenüber bestätigende Signale wie beispielsweise ein Nicken, Lächeln oder Vorlehnen. Halten Sie den Blickkontakt und nehmen Sie eine ähnliche Körperhaltung ein.

Sich in den anderen hineinversetzen: Versuchen Sie zu verstehen, wie Ihr Gegenüber tickt, was ihn gerade umtreibt und wieso das so ist.

Eigene Meinung außen vor lassen: Es geht in dem Moment ausschließlich um Ihren Gesprächspartner und nicht um Sie.

Keine Bewertung vornehmen: Hören Sie Ihrem Gegenüber zu, ohne das Gesagte zu bewerten. Das bedeutet nicht, das sie ihm zustimmen oder es gutheißen.

Nichts persönlich nehmen: Achten Sie bei Vorwürfen und Kritik verstärkt auf Ihre neutrale Grundhaltung und versuchen Sie, das Gesagte nicht persönlich zu nehmen.

Das Gesagte quittieren: Geben Sie Ihrem Gesprächspartner ein akustisches Signal wie „aha“ oder „hm“. Damit zeigen Sie, dass Sie das Gesagte gehört haben. Das ist nicht zu verwechseln mit einer Bestätigung – „ja“, „genau“, „richtig“ – mit der Sie Ihre Zustimmung ausdrücken. Das sollten Sie nur tun, wenn dem auch tatsächlich so ist.

Nachfragen: Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Aber bitte keine weiterführenden Fragen, wir sind ja beim Zuhören!

Reflektieren: Wiederholen Sie das Gesagte in eigenen Worten. So können Sie überprüfen, ob Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben. Achten Sie dabei darauf, den Inhalt weder zu analysieren noch zu interpretieren.

Hören zwischen den Zeilen: Nehmen sie die Gefühle des anderen wahr und sprechen Sie sie auf eine unterstützende und konstruktive Weise an. So vermitteln Sie Ihrem Gegenüber, dass seine Gefühle wichtig sind.

Komponenten Aufmerksamkeit hineinversetzen nachfragen reflektieren

 

Aktives Zuhören muss geübt werden. Vielen Menschen fällt es schwer, die Aufmerksamkeit für eine längere Zeitspanne beim Gesprächspartner zu lassen. Zu gerne möchten wir sagen „Das kenne ich!“, um dann eine eigene Erfahrung zu schildern. Sinn und Zweck des aktiven Zuhörens liegt jedoch darin, sich voll und ganz auf den anderen einzulassen und sich selbst zurückzunehmen. Lassen Sie den Scheinwerfer auf Ihr Gegenüber gerichtet!

Literatur:

  • Ackermann, A. (2021): Positive Psychologie. Das Fazit aus 30 Jahren Glücksforschung. Independently published.
  • Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis, Junfermann Verlag, Paderborn.
  • Niekerken, A. (2020): Das Geheimnis richtigen Zuhörens. Wie Sie erfolgreicher und besser kommunizieren, Springer Fachmedien, Wiesbaden.