Auf die Stärken kommt es an!

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Kennen Sie eigentlich Ihre Stärken? Und haben Sie eine Idee, warum das wichtig ist?

In diesem Blogbeitrag widme ich mich ausführlich den Stärken und ihrem Einsatz in unserem Leben.

Was macht Ihnen besonders viel Freude? Was können Sie richtig gut? Und bei welcher Tätigkeit finden Sie Erfüllung? Falls Sie diese Fragen nicht aus dem Stegreif beantworten können, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Ich zeige Ihnen in diesem Beitrag zwei Möglichkeiten herauszufinden, was Ihre persönlichen Stärken sind.

Doch zuerst sollten wir uns die Frage stellen: Was sind Stärken eigentlich?

Stärken sind überdauernde Muster von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen (Biswas-Diener 2010). Forscher haben in einem mehrere Jahre andauernden Projekt insgesamt 24 Charakterstärken herausgearbeitet:

  • Kreativität (Creativity)
  • Urteilsvermögen (Judgement, Open-Mindedness)
  • Neugier (Curiosity)
  • Liebe zum Lernen (Love of Learning)
  • Weitsicht/Weisheit (Wisdom/Perspective)
  • Authentizität/Aufrichtigkeit (Honesty)
  • Tapferkeit (Bravery)
  • Ausdauer (Perseverance)
  • Lebenskraft/Enthusiasmus (Zest, Vitality)
  • Freundlichkeit (Kindness)
  • Bindungsfähigkeit (Love)
  • Soziale Intelligenz (Social Intelligence)
  • Teamfähigkeit (Teamwork)
  • Führungsvermögen (Leadership)
  • Fairness
  • Vergebungsbereitschaft (Forgiveness)
  • Bescheidenheit (Humility/Modesty)
  • Umsicht/Vorsicht (Prudence)
  • Selbstregulation (Self-regulation)
  • Sinn für das Schöne und Gute (Appreciation of Beauty and Excellence)
  • Dankbarkeit (Gratitude)
  • Hoffnung (Hope)
  • Humor
  • Spiritualität (Spirituality)

Auf die Stärken kommt es an!

Voller Einsatz, bitte!

Es verleiht uns Energie und ein Gefühl der Authentizität, wenn wir unsere Stärken einsetzen können. Wir haben den Eindruck, ganz wir selbst zu sein, können uns besser konzentrieren, erbringen bessere Leistungen und können auch mit Rückschlägen besser umgehen. Außerdem erhöht sich unsere Bereitschaft, Neues zu entdecken und wir nehmen unser Tun als sinnvoll wahr.

Nico Rose (2021) beschreibt Stärken auch als „Form von Energie, die man unweigerlich durch sein Tun in die Welt bringen möchte.“ Er stellt zudem fest, dass wir es erkennen können, wenn unser Gegenüber aus einer Stärke heraus handelt: Die Körperhaltung und die Qualität der Stimme verändern sich und die Person wirkt charismatischer.

Kurz und gut: Wenn es uns gelingt, unsere Stärken in unserem täglichen Leben einzusetzen, hat das eine positive Auswirkung auf unsere Lebenszufriedenheit. Oder andersherum: Gerade dann, wenn eine Stärke sehr ausgeprägt ist, macht es uns unzufrieden, wenn wir sie nicht einsetzen können.

Auf die Stärken kommt es an!

Den Fokus setzen

Dasselbe gilt auch für das Arbeitsleben. Deshalb ist sehr sinnvoll, dass wir uns einmal die Frage stellen, inwieweit wir unsere Stärken hier zum Einsatz bringen. Eine Umfrage hat gezeigt, dass lediglich 20 Prozent der Arbeitnehmer das Gefühl haben, ihre Stärken auf der Arbeit einsetzen zu können. Das ist sehr schade, denn Mitarbeiter, die das tun können, sind nicht nur zufriedener. Sie zeigen auch ein stärkeres Engagement und verfügen über ein hohes psychisches Wohlbefinden. Zudem empfinden sie ihren Job häufig als Berufung.

Aber aufgepasst: Stärken können sowohl zu wenig als auch zu viel genutzt werden. Solche, die wir (noch) zu selten nutzen, haben häufig Entwicklungspotenzial, das wir uns anschauen sollten. Wir fördern sie, wenn wir sie gezielt in Situationen einsetzen, in denen sie uns helfen. Nutzen wir eine Stärke hingegen zu oft, büßt sie manchmal ihre Qualität ein. Hinter einer vermeintlichen Schwäche könnte sich also auch eine zu häufig eingesetzte Stärke verbergen!

Generell neigen wir Menschen dazu, eher auf unsere Schwächen, anstatt auf unsere Stärken zu schauen. Das liegt unter anderem daran, dass uns Dinge leichtfallen, wenn unsere Stärken im Einsatz sind und wir die Stärken dann nicht unbedingt wahrnehmen. Außerdem ist die Annahme weit verbreitet, dass persönliche Weiterentwicklung primär über das Ausmerzen von Schwächen stattfindet. Dabei ist es so viel leichter, wenn wir uns auf das konzentrieren, was wir gut können.

Auf die Stärken kommt es an!

Und was sind Ihre persönlichen Stärken?

Jetzt fragen Sie sich sicher, wie Sie herausfinden können, über welche Stärken Sie verfügen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zwei davon möchte ich hier kurz vorstellen:

Reflected Best Self (Blickhahn, D. 2015): Die aufwendigere, aber inhaltlich umfassendere Variante, besteht darin, Menschen in Ihrem Umfeld zu fragen. Dabei können Sie folgendermaßen vorgehen:

  1. Wählen Sie 10 bis 20 Personen aus, die Sie gut kennen. Idealerweise kommen diese Menschen aus unterschiedlichen Kontexten. So erhalten Sie vielfältigere Ergebnisse.
  2. Bitten Sie die Personen um ein kurzes, schriftliches Feedback.
    1. Welche Stärken sieht du in mir? Bitte nenne drei bis vier, die dir spontan in den Sinn kommen.
    2. Bei welchem Erlebnis oder Ereignis konntest du diese Stärken beobachten? Bitte versuche, mir zu jeder Stärke ein konkretes Beispiel zu geben.
  3. Filtern Sie aus dem Feedback Gemeinsamkeiten heraus. Dabei kann eine Mindmap hilfreich sein.
  4. Nehmen Sie die so entstandenen Gruppierungen als Grundlage und schreiben Sie mindestens 15 Minuten ohne Unterbrechung aus dem Bauch heraus über sich selbst in der Ich-Form. So entsteht Ihr Reflected Best Self.

Auf die Stärken kommt es an!

Via-Charakterstärken-Test (value in action): Dieses Testverfahren ist empirisch am stärksten validiert und bezieht sich auf alle Lebenskontexte. Dabei beantworten Sie online einen Fragenkatalog. (Das dauert etwa 20 Minuten.) Das Ergebnis zeigt Ihnen die Reihenfolge Ihrer 24 Charakterstärken. Die ersten vier bis sechs Stärken sind am deutlichsten ausgeprägt. Man spricht deshalb auch von Schlüssel- oder Signaturstärken. Auf diese Stärken können Sie in unterschiedlichen Situationen sicher zugreifen. Den Via-Charakterstärken-Test können Sie beispielsweise auf viacharacter.org oder charakterstaerken.org durchführen.

Haben Sie herausgefunden, was Ihre Stärken sind, dann können Sie sich die folgenden Fragen stellen:

  • Was haben Sie Neues über sich erfahren?
  • Was bedeuten Ihre Signaturstärken für Sie?
  • Welche Ihrer Stärken ergänzen sich gut?
  • In welchem Bereich nutzen Sie Ihre Signaturstärken (beispielsweise bei der Arbeit, in Ihren Beziehungen und in der Freizeit) schon? Wie könnten Sie sie dort verstärkt einsetzen oder anders kombinieren?
  • Wie helfen Ihnen Ihre Stärken dabei, positive Emotionen zu erleben? Wie bei Leistung oder der Frage nach dem Sinn?
  • Könnten Ihre Signaturstärken auch Schattenseiten haben? Was können Sie tun, um einem übermäßigen Einsatz vorzubeugen?

Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Stärken häufig und in möglichst vielen Bereichen Ihres Lebens einzusetzen, so wirkt sich das positiv auf Ihre Lebenszufriedenheit aus.

Über diese Reihe:

Lebenszufriedenheit speist sich aus unterschiedlichen Quellen. Eine davon ist unsere Arbeit, denn wir verbringen einen Großteil unserer Zeit mit ihr. In einer Reihe von Blogbeiträgen stelle ich deshalb die unterschiedlichen Säulen von Arbeitszufriedenheit vor und liefere Ihnen Impulse für Ihre persönliche Weiterentwicklung. Der Aufbau dieser Reihe lehnt sich an den Inhalt meines neuen Onlinekurses an, der im September erstmals stattfinden wird.

Auf die Stärken kommt es an!

Literatur:

  • Biswas-Diener, R. (2010) Practicing positive psychology coaching: Assessment, activities and strategies for success. Hoboken, NJ: Wiley.
  • Blickhan, D. (2015) Positive Psychologie – ein Handbuch für die Praxis. Jungfermann Verlag, Paderborn.
  • Keller, T. (2017) Persönliche Stärken entdecken und trainieren, essentials, Springer Fachmedien, Wiedbaden.
  • Rose, N. (2019) Arbeit besser machen. Positive Psychologie für Personalarbeit und Führung. Haufe Verlag, Freiburg.
  • Rose, N. (2021) Management Coaching und Positive Psychologie. Stärken stärken, sinnvoll wachsen. Haufe Verlag, Freiburg.